Sie haben den ersten Teil verpasst? Sie finden ihn hier: Nordholland-Blog „Erster Teil“
2005 konnte man noch eine Ferienimmobilie ohne große Probleme in den Niederlanden finanzieren. Die Kaufsumme betrug 125.000 Euro und mit Nebenkosten ca. 130.000 Euro. Wir liehen uns 30.000 Euro in Deutschland und 100.000 Euro bei der Rabobank in den Niederlanden. Am 1. August 2005 waren wir stolze und ängstliche (nur ich natürlich) Besitzer eines Ferienhauses in Sint Maarten.
Das Haus hat eine Fläche von 73 qm und die Grundstücksgröße beträgt 354 qm. Wir finanzierten für einen effektiven Zins von 4,7 Prozent auf 20 Jahre. Nach zehn Jahren musste der Zins neu verhandelt werden und lag dann bei 2,8 Prozent. Die Eigentumsübertragung ist wesentlich leichter als bei uns. Nach dem Notartermin steht man am nächsten Tag im Grundbuch und alles funktioniert reibungslos. Damals beliefen sich die Notarkosten mit Eigentumsübertragung auf rund 1.200 Euro und die Grunderwerbsteuer auf 1,5 Prozent von der Kaufsumme.
Heute liegt die Grunderwerbssteuer bei 8(!) Prozent während die Kaufnebenkosten bei ca. 1,5 Prozent geblieben sind. Der Makler wird beim Kauf in der Regel vom Verkäufer bezahlt. Natürlich kann man für die Suche nach einer passenden Immobilie auch einen Makler einschalten, der dann aber auch ca. 1,5-2,5 Prozent Provision von der Kaufsummer haben möchte. Aus meiner Sicht ein unnützer Posten, da auf www.funda.nl fast alle angebotenen Ferienhäuser zu finden sind. Zusätzlich kann man noch auf Immoscout oder Kleinanzeigen in Deutschland schauen. Dann hat man aber auch 95 Prozent aller angebotener Ferienhäuser gesehen. Einschränkend muss man sagen, dass alle „guten“ und begehrten Ferienhäuser bis vor ein, zwei Jahren nicht den Weg ins Internet fanden, da die Mundpropaganda bereits für eine ausreichende Anzahl von Interessenten gesorgt hat. Diese Zeiten sind weitestgehend vorbei. Die Interessenten werden weniger, weil sich die Rahmenbedingungen enorm verschlechtert haben.
Wenn ich nun versuche, auf das Parkett der Besteuerung von Ferienhäusern in den Niederlanden zu wandeln, werde ich kläglich scheitern – also, versuche ich das gar nicht erst. Jeder Wissbegierige kann das mit guten(!) Fragen der Künstlichen Intelligenz entlocken. Ich gebe nur zwei kleine Beispiele: Ab 2026 wurde die Mehrwertsteuer für Vermietungen von 9 auf 21 Prozent erhöht. Mit Inflation mussten wir für dieses Jahr die Preise um 14(!) Prozent erhöhen. Hinzu kommt die veränderte Besteuerung des Einkommens in Box 3, die Mehrkosten(!) von mehreren tausenden Euro verursacht. Wir werden nun ein „Sterben“ von Vermietungsobjekten erleben. Zum einen können sich viele Menschen einen Urlaub wie bisher immer weniger leisten und zum anderen brechen den Vermieter die Einnahmen weg, weil viele Urlauber den Aufenthalt drastisch einschränken oder gleich zu Hause bleiben. Es sind ja nicht nur die Kosten für die Miete eines Objektes für den Urlaub. Alle anderen Kosten laufen in gleichem Maße davon – ob Einkaufen, Freizeitaktivitäten oder der Restaurantbesuch. Sie alle wissen bereits, wovon ich rede. Diese verständliche Zurückhaltung der Urlauber trifft die Vermieter bis ins Mark, weil nun das ganze „Projekt“ (wenn es denn finanziert wurde oder man mit den Einnahmen kalkuliert) ins Wanken gerät. Kurzfristig werden die einen oder anderen Urlauber noch in der Form profitieren, weil Vermieter im letzten Jahr versucht haben, durch Rabatte („Kommt zu mir! Ich bin keiner dieser Raubritter, die die erhöhte Mehrwertsteuer an euch weitergeben“) dem „Tod“ zu entgehen – aber es ist der schnelle Anfang des drohenden Endes. Kein Unternehmen kann sich das erlauben und jeder würde lieber schnell in die kalkulierte Insolvenz gehen als das mitzumachen. Dieses Jahr habe ich derlei Werbung noch nicht beobachten können. Es dämmert scheinbar den Meisten, dass die Kosten den Mieten davonlaufen. Dieses Jahr sind die Steuern ja erst erhöht worden. Im nächsten Jahr aber werden sie fällig. Dementsprechend folgt das Beben im nächsten Jahr. Danach verschwinden diese Vermieter vom Markt.
Nun will ich hier nicht den Weltuntergang prophezeien und alles schlechtreden, weil die Boomer und Gutverdiener noch über Kapitalreserven verfügen, obwohl Klingbeil und Heinen (Finanzminister NL) jagt auf sie machen und ihnen so viel wie möglich wegnehmen wollen. Aber sei es drum. Politik soll jeder für sich beschreiben – das gehört hier nicht hin. Ich will sagen, dass noch Kapital für Urlaub vorhanden ist – es wird nur weniger. Aber irgendwann wird es den Kipppunkt und danach ein Massensterben von Vermietern geben. Auch wir haben uns viele Gedanken gemacht, ob wir mit der Vermietung fortfahren wollen. In der Krise soll man investieren – sagen jedenfalls einige Experten. Wir werden uns das zu eigen machen und darauf setzen, dass bestimmte Renovierungen die Attraktivität steigern. Mal sehen, ob das klappt. Deshalb habe ich auch diesen Blog ins Leben gerufen. Letztendlich möchte Ilona aber das Haus für die Familie behalten und es auch notfalls ohne Vermietung weiterführen.
Das alles war aber nicht der Grund, warum Ilona und ich uns entschlossen haben, das Haus Sonnenschein zu verkaufen. Wir haben nun 21 Jahre fast ausschließlich in unseren Ferienhäusern „Urlaub“ gemacht, die daraus bestanden, alles wieder in Ordnung zu bringen. Uns verlassen ein wenig die Kräfte und wir wollen einfach diesen Umfang an Arbeit nicht mehr haben. Wir haben uns 21 Jahre angestrengt, um jetzt davon zu profitieren.
Ich möchte noch anmerken, dass meine Erzählung so gar nicht strukturiert erscheint. Das stimmt auch. Ich schreibe alles so runter, wie es mir einfällt. Ich mache mir hier keine Gedanken darum – es ist mir nicht wichtig. Wenn ich alles erzählt habe, werde ich jedes einzelne Thema noch einmal behandeln und dann auch strukturiert berichten. Zu diesem Zeitpunkt habe ich keine Lust dazu.

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