Der Weg zum Ferienhaus Teil 3: Der Kauf des Hauses Sonnenschein im August 2005

Sie haben den ersten Teil verpasst? Sie finden ihn hier: Nordholland-Blog „Erster Teil“

So, nun aber: wir gingen also auf das hübsche Häuschen zu und fanden zunächst die Lage ganz ansprechend. Das Verkäufer-Ehepaar war auch sehr nett und nach dem Input der ganzen Hausdaten, erhielten wir eine aufschlussreiche Führung durch das Haus. Irgendwann stand Ilona mitten im Wohnbereich – ich sehe sie noch heute – hielt ihre Hände in den Hüften und verkündete, dass wir(!) das Haus kaufen würden. Ich bin fast aus allen Wolken gefallen, habe sie angesehen und wahrscheinlich das dümmste Gesicht meines Lebens gemacht. In dieser Szene muss zu meiner Entschuldigung gesagt werden, dass wir ja 1998 ein Haus gebaut und gefühlte 10 Millionen Euro Schulden hatten. Wir waren arm wie Kirchenmäuse, hatten nur wenig Erspartes, keine Ahnung von Ferienhäusern und deren Vermietung und absolut keine Vorstellung von der Finanzierung eines solchen Projektes. Natürlich wollte ich sie nicht blamieren und ihr vor dem Verkäufer-Ehepaar den Vogel zeigen aber ich fühlte mich schon mit einem Sattelschlepper überfahren.

Als wir endlich alleine waren, lederte ich aber los mit meiner Kritik an ihrer vermeintlichen Entscheidung. Sie lächelte mich nur an und sagte, dass wenn es mit dem Haus nicht klappen würde, wir es ja wieder verkaufen könnten. Ich will jetzt nicht noch jedes Detail dieser Entscheidung erzählen, weil man in traumatisierten Momenten auch viele Dinge vergisst. Kurzum, wir haben das Ferienhaus gekauft, ihm den Namen „Sonnenschein“ gegeben und ich habe ein Jahr nicht mehr geschlafen, weil ich selbstverständlich die Vermietung des Hauses übernehmen musste. Als wenn Rasenmähen nicht schon genug gewesen wäre … und das alles nur mit zwei Armen.

Das Haus Sonnenschein im August 2005

Nachdem das erste Jahr wider meines Erwartens wirtschaftlich erfolgreich abgeschlossen wurde, wuchsen in den darauffolgenden Jahren die Einnahmen, die wir komplett wieder ins Haus reinvestierten. Hierbei trennten wir uns von unserem Verwalter, der unser Haus während unserer Abwesenheit als billigen Zweitwohnsitz nutzte und hatten anschließend das Glück, zwei Ehepaare, Eltern mit Tochter und Schwiegersohn, als Verwalter zu gewinnen. Das war einer der glücklichsten Umstände, da die Eltern noch heute unsere Verwalter sind. Freja und Thon gehören schon zur Familie und sind mit die liebsten Niederländer, die wir kennen.

Gute Verwalter zu haben ist einer der wichtigsten Aspekte in der Vermietung von Ferienhäusern – aber darüber schreibe ich auch noch einen extra Menüpunkt.

Dennoch waren die ersten Jahre wahnsinnig intensiv und aufreibend, da ich ja nicht so recht glauben wollte, dass das erste glückliche Jahr so weiter gehen würde. Also fuhren wir so oft es ging nach Holland, um immer alles in Ordnung zu halten. Denn auch die Verwalter regeln nicht alles. Dem typisch deutschen Anspruch entsprechend wollten wir unser Bestes geben, um möglichst viele Gäste zu gewinnen. Ich glaube, in diesen Jahren ein Gefühl dafür bekommen zu haben, wie Selbstständige sich fühlen müssen, wenn Sie eine Firma eröffnen und Existenzängste haben. Es ging so weit, dass Ilona einmal in der Küche stand und ihr die Tränen liefen, weil sie sich einfach überfordert fühlte, neben dem täglichen Wahnsinn auch noch ein Ferienhaus instand zu halten und zu pflegen.

Natürlich gefällt es Ilona nicht, dass ich es hier erwähne. Es soll nur jedem aufzeigen, dass man nicht ein Ferienhaus kaufen, ein bisschen vermieten kann und dabei pfeifend durchs Leben läuft. Es war (und ist es in Teilen noch immer) ein Job, bei dem man nur Erfolg hat, wenn man kräftig investiert – ob nun monetär oder physisch. Durch die im Laufe der Jahre erlangte Erfahrung ist es nicht mehr so stressig und man kann Arbeiten wie das Gärtnern oder leichte handwerkliche Arbeiten an Mitarbeiter vergeben, die man sich durch die gute Vermietung mittlerweile auch leisten kann. Aber geschenkt bekommt man auch in der Vermietung von Ferienhäusern rein gar nichts(!).

👉 Bis dahin: Schauen Sie sich den Text zum Haus Weitblick an …

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