Die Administration bei der Vermietung von Ferienhäusern. Teil 6

Sie haben den ersten Teil verpasst? Sie finden ihn hier: Nordholland-Blog „Erster Teil“

Wenn ich über die Vermietung rede, muss man sich noch einmal in Erinnerung rufen, dass wir beim Kauf des Hauses „bettelarm“ waren und vermieten mussten(!), um es bezahlen zu können. Ich bezeichne jeden als unfassbar reich, der das nicht muss und sich den Luxus leisten kann, es nicht vermieten zu müssen.

Die Vermietung beginnt damit, dass man erst einmal seinen ganzen Bekannten- und Verwandtenkreis über den Kauf in Kenntnis setzt und jeder natürlich als Urlauber herzlich willkommen ist. Problem ist nur, dass das Haus ja auch bezahlt werden muss. Jetzt finden Sie mal den richtigen Preis für alle Bekannten, Freunde, Kollegen und Familienmitglieder, ohne jemandem vor den Kopf zu stoßen, weil der Preis zu hoch ist. Dass man im Schuldenturm noch über den Wolken sitzt, ist nicht jedem wirklich bewusst. Da heißt es schnell: „Du bist ja reich. Du hast ein Haus gebaut und auch noch Geld für ein Ferienhaus“. Das war nicht immer einfach und auch mit Irritationen auf beiden Seiten belegt. Ich will diesen Aspekt nicht vertiefen, er sollte nur bei jedem potentiellen Ferienhaus-Käufer auf der langen Liste stehen.

Im Anschluss widmet sich man der Frage, wie man Werbung machen sollte, getreu dem Motto: „Wer nicht wirbt, der stirbt“. Damals gab es bei fewo-direkt (größtes, bestes aber auch nicht günstiges Portal auf dem Markt) ca. 3.000 Ferienhäuser in Nordholland. Das war eine überschaubare Zahl und der Wettbewerb war überhaupt nicht wahrnehmbar. Das lag auch daran, dass die meisten Niederländer das Ferienhaus als wirklichen Zweitwohnsitz unterhielten. Wenn ein Möbelstück zu Hause ausgemustert wurde, war es sicherlich noch gut für das Ferienhaus. So sahen fast alle Ferienhäuser in Holland zu dieser Zeit aus. Jeder, der zu diesen Jahreszahlen in Urlaub fuhr, weiß wovon ich rede. Ebenso war es klar, dass Mutti den Putzeimer mitnahm und erst einmal durchfeudelte und den Kühlschrank reinigte, bevor die Kinder es betreten durften oder die Nahrungsmittel einsortiert wurden. Meine saloppe Schilderung soll nicht despektierlich sein, sondern einfach nur die Zustände beschreiben, unter denen wir dort unseren Urlaub verbracht haben und über die wir heute schmunzeln können. Es war aber auch ok. Man hat das mit hingenommen und dann war es wieder gut. Zur Ehrlichkeit gehört aber auch, dass die Niederländer schon immer mit weniger zufrieden waren und Wert auf andere Dinge legen. So macht hier jeder Handwerksbetrieb im Sommer drei Wochen Urlaub. Es gibt hier keinen Handwerksmeister, der schon 30 Jahre keinen Urlaub gemacht hat, weil er glaubt, dass ohne ihn nichts läuft oder das Streben nach mehr ihn beherrscht hat. Auch ein Grund, warum mir die Niederländer so sympathisch sind.

So sah das Sonnenschein bis 2016 aus

Zurück zur Werbung: Man grast im Internet alles ab, wo man sein Ferienhaus einstellen kann. Egal ob unbedeutend oder Bezahlinserat, es wird alles genommen. Die Zeiten waren für Vermieter doch unerwartet gut und wir erzielten schon im ersten Jahr einen Gewinn (ja, ich wiederhole mich). Unsere Absprache war, dass wir jeden Euro Gewinn wieder in das Haus investieren, um es unseren Vorstellungen näher zu bringen. Man muss wissen, dass das Haus zwar erst sieben Jahre alt war aber so gar nicht unseren Vorstellungen entsprach. Das galt gleichermaßen für die Einrichtung wie für das Bad oder die Betten. Ich bin allerdings auch davon überzeugt, dass das bei jedem Hauskauf so ist. Man hat einfach andere Vorstellungen als der/die Vorbesitzer. Als wir 2011 sowohl das Badezimmer als auch die Bodenfliesen und die Küche aufwändig für 28.000 Euro renovierten, schüttelten alle Niederländer im Park mit dem Kopf und dachten wahrscheinlich: „typisch Deutsche“. Unsere niederländischen Freunde sagten es aber auch offen, dass wir jetzt wohl völlig verrückt seien. Dies sei ein Ferienhaus und kein Hauptwohnsitz. Das alles wäre doch viel zu teuer und überdimensioniert (obwohl sie wussten, dass wir immer die meisten Vermietungen im ganzen Park hatten). Wir hielten dem entgegen, dass wir uns in einem Ferienhaus genauso wohlfühlen möchten, wie in unserem Zuhause und uns das auch diese Summe wert wäre und die Vermietung es auch erforderlich mache.

Die Meinung unserer niederländischen Freunde änderte sich erst so gegen 2015/2016 als ein Ferienhausboom einsetzte und auch die Niederländer merkten, dass man mit Ferienhäusern Geld verdienen kann. Man konnte das auch an dem Umstand ablesen, dass die niederländische Küche sich plötzlich komplett drehte. Es eröffneten Restaurants, in denen man wirklich essen gehen konnte. Vorher war es lediglich das Pfannenkuchenhaus, das einen Besuch wert war und mit Abstand vielleicht noch der Chinese im Städtchen in der Nähe. Der Rest war einfach gruselig, teuer und mit drei Kindern nicht bezahlbar. Innerhalb weniger Jahre stiegen die Ferienhäuser von 3.000 auf 7.000 Angebote (Referenz: fewo-direkt). Jetzt zeigte sich, dass diejenigen, die das Haus „auf Stand“ gebracht hatten, von der Reisewelle profitierten. Die Preise stiegen allerdings auch mit den Ansprüchen der Gäste. Wenn man knapp 6 km vom Strand entfernt ist, muss man den Gästen auch Fahrräder bieten, um nur eine Sache zu nennen. Klar muss jedem sein, dass man dafür sorgen muss, dass jederzeit das Fahrrad repariert wird, wenn mal etwas kaputt geht (und das passiert öfter als einem lieb ist). Wenn man dann 300 km entfernt ist, muss die Reparatur auch organisiert sein. Der Gast hat zu Recht kein Verständnis dafür, wenn er die bezahlte Leistung nicht erhält – und nicht nur der. Was ich damit sagen will: Wer etwas Besonderes anschafft, muss auch für die reibungslose Funktion und entsprechende Wartung sorgen – 364 Tage!

Resümierend muss man festhalten, dass der Aufwand durch die Unkenntnis am Anfang recht hoch ist und mit zunehmender Erfahrung weniger wird. Am Anfang würde ich 3-4 Stunden täglich für die Vermietung einplanen, die später auf bis zu 2 Stunden an jeweils drei Tagen in der Woche reduziert werden kann. Durch meine Angst vor einem privaten Konkurs habe ich sicherlich zu Beginn erheblich mehr Stunden aufgewendet als vielleicht nötig waren. Ich habe halt ständig nach möglichen Werbeträgern gesucht und wollte mein Angebot verbessern. Aber das ist ein Wert, den jeder für sich herausfinden muss. Ich gebe hier nur(!) meine Erfahrungen wieder, die keinen Anspruch auf die einzige Wahrheit darstellen sollen. Die Kritiker würden das alles anders machen und das ist auch gut so! Ich kenne niemanden, der alles richtig macht. Man muss am Jahresende nur mit der eigenen Arbeit zufrieden sein, dann bleibt die innere Ruhe gewahrt. Richtig schön ist es, wenn die Gäste auch zufrieden waren und man keine schlechte Bewertung bekommen hat. Die nämlich kann tödlich sein. Bewertungen ist ein eigenes Thema, das den Gästen noch nicht so richtig klar ist. Dazu schreibe ich aber einen eigenen Menüpunkt, wie es sich damit verhält, wenn man auf booking.com, fewo-direkt und wie sie alle heißen, bucht. Denn wer weiß schon, dass man auf diesen Portalen bis zu 25 Prozent mehr bezahlt als auf der privaten Homepage?! Raten Sie einmal, wer diese Kosten trägt? Darum ist jeder, der bei diesen Anbietern bucht, seinem Geld böse.

Bis 2016 mussten wir unzählige Male das Unkraut aus dem Hang zum Sloot holen

Als wir 2005 anfingen, kostete eine Woche in der Hauptsaison 690 Euro. 2026 liegen wir in der reisestärksten Zeit im Juli/August bei 1.750 Euro. Allerdings haben wir in dieser Zeit auch rund 100.000 Euro in das Haus investiert. Das verdeutlicht die Entwicklung in 18 Jahren Vermietung in Nordholland. Wie sich die Zahlen zusammensetzen und wie sich alles entwickelt hat, beschreibe ich ebenfalls in einem eigenen Menüpunkt. Aber diese Zahlen einmal hochgerechnet für alle Feriendomizile machen deutlich, was das für ein Wirtschaftsfaktor ist. Nun ist man dabei, diesen Wirtschaftszweig zu zerstören, um die Welt besser zu machen. Ich prophezeie, dass der Arbeitsmarkt in Nordholland erheblich darunter leiden wird. Die Gemeinden erkennen das bereits und stemmen sich gegen die Regierung in Den Haag, das permanente Wohnen in den Ferienhäusern zuzulassen. Ihnen werden immense Steuereinnahmen fehlen und das Leben wird sich erheblich verändern. Damit einhergehend natürlich auch die Vermietung.

Vermietung im Dialog mit den potentiellen und tatsächlichen Gästen

Neben den eigenen administrativen Planungen der Vermietung kommen dann auch die Gäste ins Spiel. Wir haben jetzt alle Arbeiten und Werbemaßnahmen getroffen und bekommen Anfragen über die einzelnen Portale. Diese Anfragen kommen den ganzen Tag über zu nicht festgelegten Zeiten. Eine Regel besagt, dass man sie innerhalb von spätestens 3 Stunden beantwortet haben sollte. Mein Ziel dagegen war immer – sofort!-. Am liebsten sind mir auch die telefonischen Anfragen, bei denen man doch viel besser punkten kann als schrifltich. Zwischen den Zeilen stehen oft Fehlinterpretationen, die dann zu einer Absage führen. Das sollte aber niemanden ernsthaft beschäftigen, weil man nie alle Anfragen bekommt. Es gibt auch andere gute Häuser!

Der Aufbau der Gartenhütte gemeinsam mit meinen Söhnen

Die meisten Urlauber wollen die Urlaubsplanung schnell ad acta legen und buchen bei einem der professionellen Anbieter wie Landal, DanCenter, Aquadelta, Belvilla, Novasol usw.. Hier kann man mit der Kreditkarte schnell alles regeln, hat keinen persönlichen Kontakt und bekommt im Gegenzug dafür ein spartanisch eingerichtetes Haus ohne jegliche Persönlichkeit. Das Finanzmodell der großen Betreiber läuft so, dass sie die Ferienhäuser als Investment an Privatpersonen verkaufen, die darauf aus sind, eine Rendite einzufahren und keinerlei Bezug zum Ferienhaus haben. Jegliche Renovierung wird von der Rendite abgezogen. Dementsprechend wird natürlich auch nur das Notwendigste renoviert. Der Vorteil für den Schnellbucher ist, dass er alles vor Ort hat. Manche Parks sind ja wirklich schön angelegt, haben den Bäcker, Restaurants, einen See und was weiß ich nicht noch alles, direkt dabei. Allerdings bekommt er kein Haus mit einer familiären Note und bezahlt bis zu 50 Prozent mehr als in unserem Haus.

Die privaten Vermieter haben neben diesen großen Konkurrenten auch noch mit dem Umstand zu kämpfen, dass viele Urlauber Angst haben, bei einem privaten Vermieter zu buchen. Schreckensmeldungen über Betrugsinserate geistern regelmäßig durch das Internet, insbesondere bei Facebook gehen mir regelmäßig die Nackenhaare hoch, welche verrückten Geschichten dort erzählt werden. Fragt man einmal gezielt nach, kommt keinerlei Substanz. Ich sage es mal klar und deutlich: Auf Betrugsinserate fallen nur Schnäppchenjäger und Bewohner anderer Planeten rein. Jeder seriöse private Vermieter betreibt eine Homepage, auf der auch ein Impressum angegeben sein muss. Hat er das nicht, kann man ahnen, dass er es auch mit allen anderen Dingen nicht so genau nimmt. Nachdem man google mit der Auskunft über den Wohnort befragt hat, kann man auch noch die dort verzeichneten Namen recherchieren. Es gibt sicherlich noch andere Parameter, an denen ich das seriöse Angebot erkennen kann. Wer aber mit einem Schnäppchen bei den Nachbarn prahlen möchte, der ist auch mal der Verlierer. Ich gebe auch gerne ein aktuelles Beispiel: Bei Facebook werden unzählige Gruppen betrieben, in denen Ferienhäuser angeboten werden. Wenn es zum Preis geht, wird um eine persönliche Nachricht gebeten. Welcher Vermieter hält seine Preise geheim? Entweder er ist ein Steuerbetrüger oder ein Fake. Ich bin oft sprachlos, wie diese Geschäfte offensichtlich zu einem Abschluss führen.

Bis dahin: Schauen Sie sich doch einmal die webcam von Petten an

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