Sie haben den ersten Teil verpasst? Sie finden ihn hier: Nordholland-Blog „Erster Teil“
Nun verläuft das Leben nicht immer an einer Schnur entlang, sondern auch hin und wieder wie ein Seismograph bei einem Erdbeben. Es gibt mehrere Ausschläge und man weiß nie, ob noch einer folgt. So ähnlich verliefen die Diskussionen zwischen Ilona und mir, als wir die Zeit nach unserem Arbeitsleben diskutierten. An dieser Stelle muss ich die Information hinzufügen, dass wir in dem kleinen und beschaulichen 7.000-Seelen-Vorort Dortmund-Husen, an der Grenze zu Unna, wohnten. Die Kinder wuchsen hier zwanzig Jahre lang wunderbar auf und wir waren wirklich glücklich, dort zu wohnen. Da ich als Polizei-/Kriminalbeamter Einblick in die Kriminal-Statistiken hatte, wusste ich natürlich auch, dass in Husen die Welt noch mehr als in Ordnung war. So einen Ort nimmt man gerne als Lebensmittelpunkt für die Kinder. Die andere Seite von Husen war, dass es ab ca. 2011 ein Gastronomie-Sterben gab, bei dem nichts davon übrig blieb, um abends mal ein Glas Wein zu trinken. Die Sicht auf diesen Ort änderte sich vollends, als das letzte „Kind“ das Haus verlassen hatte Ich habe mich in diesem Moment noch nie so einsam gefühlt. Kein wildes Getrappel mehr die Treppe herunter, keine nächtlichen Ausflüge zum Kühlschrank, keine LAN-Partys. Das Haus war nicht mehr das Haus, das ich so liebte. Die Kinder haben es zu einem besonderen Ort gemacht. Es wurde für mich ein spießiger Ort, an dem ich jede Woche den Rasen mähen und mit Nachbarn über die geschnittene oder zu hoch gewachsene Hecke diskutieren sollte. Ilona dagegen liebte Ihre Blumen, die sie selbst gepflanzt hatte und ihre Holzbank, auf der sie sich ihre Blumen ansehen konnte und die Ruhe genoss. Die andere Seite war, dass Ilona weiterhin die 175 qm Wohnfläche (es war nur ein Reihenendhaus) pflegen musste und nur die Stunden eingespart wurden, die für den Lkw an Lebensmitteln und die Wäscheberge unserer sportlichen Kinder nicht mehr nötig waren – aber es blieben noch genug Arbeiten übrig. Ich wollte das einfach nicht mehr für uns beide. Ich habe zwar nicht die Arme in die Seite gestützt und entschieden, dass wir unser Wohnhaus verkaufen, aber ich konnte Ilona dazu überreden. Das Besondere an dieser zukünftigen Lebensgestaltung lag darin, dass ich auch kein Eigentum mehr in Deutschland wollte. Ich wollte eine richtig schöne Mietwohnung, um jederzeit nach Bedarf meinen Lebensmittelpunkt verlegen zu können. Nun werden die ersten Leser denken: „Ist der doof? Kann der nicht rechnen? Der Kauferlös geht doch nun für die zukünftige Miete weg.“ Ich will nicht überheblich wirken, wenn ich sage, dass ich natürlich auch daran gedacht habe. Also habe ich Ilona den Vorschlag gemacht, dass wir ein zweites Ferienhaus von dem erzielten Erlös unseres Wohnhauses kaufen und somit das Familien-Portmonee nicht mit der Miete über Gebühr belasten.
Also verkauften wir 2018 unser Zuhause, bezogen eine tolle und nagelneue Mietwohnung in der Dortmunder Innenstadt und kauften 2019 ein weiteres Ferienhaus in unserem Bungalowpark De Wielen in Sint Maarten. Die Besonderheit an diesem Haus ist, dass es 15 qm mehr Fläche hat und am Rand des Parks mit einem tollen Ausblick liegt.

Wir entschieden uns für eine Kernsanierung, fällten drei Bäume auf dem Grundstück und ließen eine Dachgaube über die gesamte Breite einbauen. So kamen wir zu unserem Ferienhaus Weitblick, das aus unserer Sicht besonders gut gelungen ist und von den Gästen hervorragend angenommen wird. Nicht nur das Ferienhaus hat unser Leben bereichert auch Ilona ist in ihrem neuen Zuhause in Dortmund mittlerweile glücklich und genießt die vielen Restaurants, Kneipen, kulturellen und ärztlichen Angebote, die allesamt fußläufig oder mit dem Fahrrad zu erreichen sind. Jetzt trinken wir, nein ich, ab und an in unserem Lieblingslokal ein Glas Wein und Ilona eine Rhabarber-Schorle und sind zufrieden nach unserer anfänglich schweren Zeit. Ich revidiere auch meine frühere Position, dass der Verkauf seines Zuhause und der Umzug in eine Mietwohnung nur ein Wechsel von Steinen ist. Es war verdammt schwer, sich in unserem Alter ein neues Zuhause zu schaffen und die alten Gewohnheiten abzulegen. Aber wenn wir es 2018 nicht geschafft hätten, dann hätten wir es nie getan. Heute war es eine der besten Entscheidungen in unserem Leben. Ich habe Ilona gerade gefragt und sie unterschreibt mir diesen Satz auch – allerdings nicht, ohne noch einmal an ihre Blümchen und ihre Bank zu erinnern, die sie immer noch ein wenig vermisst.
Bis dahin: Schauen Sie sich doch einmal das komplette Video vom Strand in Sint Maartenszee an …

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