Tja, ein Ferienhaus zu verkaufen, alle mitgenommenen Dinge unterzubringen, Renovierungen planen, Familienzeiten pflegen und den Alltag bewältigen bedingt ein gewisses Zeitmanagement. Da ich darin eine Katastrophe bin, komme ich erst jetzt dazu, mich wieder mit euch zu beschäftigen.
Mein Kopf lässt gerade keine geordnete Struktur zu und deshalb habe ich mir die Kostenübersicht einmal herausgepickt, um euch wissen zu lassen, mit welchen Kosten wir es denn eigentlich bei einem Ferienhaus zu tun bekommen. Da wir Vermieter alles gierige Halsabschneider sind und enteignet werden müssen, ist es mir ein besonderes Bedürfnis, euch mitzuteilen, was ihr erarbeiten müsstet, bevor ihr auch nur an Gewinn und Hängematte denken könnt.
Zunächst die Zahlen und dann die Erläuterungen:
| Posten | Kosten | Bemerkung |
| Parkbeitrag | 1.200 Euro | Jährlich anfallende Kosten |
| Jahresbeitrag VVE (Eigentümergemeinschaft) | 320 Euro | Jährlich anfallende Kosten mit Rückstellung |
| Waterschapsbelasting | 180 Euro | Jährlich anfallende Kosten |
| WOZ-beschikking und OZB (Gemeindeabgaben) | 310 Euro | Jährlich anfallende Kosten |
| Rioolheffing (Gemeindeabgaben) | 230 Euro | Jährlich anfallende Kosten |
| Strom und Gas (Vattenfall) | 2100 Euro | Anfallende Kosten nach Verbrauch |
| ESNW (Notdienst Therme mit jährlicher Wartung) | 270 Euro | Hervorragender Dienst |
| Interpolis (Gebäude-/Hausrat- und Haftpflichtversicherung) | 540 Euro | Achtet auf Klausel „no risk“ |
| Ziggo (Internet und TV) | 880 Euro | 2 Gbit-Leitung |
| Mobilfunktarif NL | 200 Euro | NL-SIM-Karte |
| HHNK Noorderkwartier | 110 Euro | Jährlich anfallende Kosten |
| Forensenbelasting (Zweitwohnsitz) | 900 Euro ! | Jährlich anfallende Kosten |
| Smoobu (Synchronisation Buchungsportale) | 500 Euro | Jährlich anfallende Kosten |
| Strandkabine | 620 Euro | Jährlich anfallende Kosten |
| Gartenarbeit | 340 Euro | Jährlich anfallende Kosten |
| Umsatzsteuer | 900 Euro | Stark ansteigend |
| Einkommensteuer | 2600 Euro | Noch stärker ansteigend |
| Reparaturen/Renovierung | ? |
Wir kommen damit auf eine jährliche Belastung von 12.200 Euro.
Stellt sich zunächst die Frage, welche Kosten verringert werden können. Hierzu zähle ich:
1. Strom und Gas = Wir haben die Heizung auf 21,5 Grad. Die Salderingsregeling nimmt nun ein Ende, sodass mit stark steigenden Kosten für Strom zu rechnen ist. Deshalb lasssen wir nun ein Batteriesystem installieren. Wegen den stark steigenden Heizkosten kommt auch eine Klimaanlage dazu, da sie auch heizen kann. Der m3 Gas kostet gerade 1,50 Euro mit zunehmender Tendenz. Mit der Klimaanlage erwarten wir starke Einsparungen, die allerdings höchstens die Preissteigerung auffangen werden.
2. ESNW = Notdienst muss man nicht haben. Allerdings halte ich den Preis gegenüber der reinen Wartung für so minimal, dass ich jedem Hauseigentümer nur empfehlen kann, hier ein Abonnement abzuschließen.
3. Interpolis/Rabobank = Da die Rabobank unsere Hausbank ist, haben wir der Einfachheit halber auch dort den Versicherungsvertrag 2005 abgeschlossen. Kann man sicherlich ein paar Euro günstiger bekommen.
4. Ziggo = Eine 2 Gbit-Leitung muss man nicht haben. Eine 200 Mbit-Leitung kostet 300 Euro weniger im Jahr.
5. NL-SIM-Karte = Muss man auch nicht haben. Allerdings sprechen wir ein wenig Niederländisch und rufen die Handwerker gerne auf einer NL-Nummer an – gefällt denen auch besser.
6. Smoobu = Ab 2 Häuser in der Vermietung unverzichtbar, da eine fehlende Synchronisation bei den Buchungseingängen schnell zu einer Doppelbelegung führen kann – eine Katastrophe!
7. Strandkabine = Muss man natürlich auch nicht haben
8. Reparaturen und Renovierung: Tja, das ist mal ein Posten, den man diskutieren sollte.
Da der überwiegende Teil von euch Urlauber sein wird, der sich vielleicht hier und da mal dem Traum von einem Ferienhaus hingeben wird, muss dann noch die Finanzierung hinzugerechnet werden. Bei den Mieteinnahmen müßt ihr weitere 21 Prozent Mehrwertsteuer abziehen. Booking.com, Airbnb oder fewo-direkt nehmen noch einmal rund 20-25 Prozent von der Wochenmiete.
Ich würde mich freuen, wenn mal einer der blöden Pöbler, der über die Miethaie lästert, sich einer Diskussion hingeben würde. Aber ich kann euch ein Geheimnis verraten, wie man auch mit diesen Umständen leben kann: ARBEITEN! Wir haben seit 2005 vielleicht 10 Urlaube mit ca. 70 Urlaubstagen nicht in einem unserer Ferienhäuser verbracht, um sie wieder auf unseren Qualitätsstandard zu bringen. Ich bin 2 Jahrzehnte meistenteils in Arbeitshose rumgelaufen und Ilona hat das Haus wieder schön gemacht. Das(!) steht hinter unserem Traum eines Ferienhauses. Ohne diese Arbeit hätten wir uns das Haus niemals leisten können. Wir haben uns darauf eingelassen und keine Sekunde daran gezweifelt, ob wir das Richtige getan haben. Bis heute lieben wir noch beide Häuser, obwohl wir im September das Haus Sonnenschein verkauft haben. Die Arbeit wurde uns mit 67 einfach zu viel. Ansonsten hätten wir es niemals verkauft.
Wir investieren in unser Haus nun noch einmal 100.000 Euro, um es so zu renovieren, dass erst unsere Kinder sich wieder mit diesem Thema beschäftigen müssen. Wir wollen unser Haus nun (fast) nur noch genießen und uns über unsere Lebensleistung freuen. Niemand wird uns das vermiesen können.
Ihr erinnert euch sicherlich an meinen niederländischen Freund, der sich an die Stirn getippt hat als wir 30.000 Euro für Badezimmer und Küche in 2011 investiert haben („das ist immer noch ein Ferienhaus“). Auch jetzt wird es wieder Leute geben, die sich mit mehreren Fingern an die Stirn tippen. Sei es drum. Ich bin davon überzeugt, dass es gut ist – auch wenn wir schweren Zeiten entgegengehen. Diese Urlaube in unserem Ferienhaus werden unser Leben um mindestens 5 Jahre verlängern – so schön waren und sind sie noch immer …
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